DIHK-Umfrage

Fachkräfte­mangel kostet 100 Mrd. Euro

Mehr als jedes zweite Unternehmen hat Schwierigkeiten, offene Stellen nachzubesetzen – in einem schwierigen ökonomischen Umfeld. Der DIHK spricht von einer „gefährlichen Mischung“ und fordert politische Unterstützung.

Fachkräfte­mangel kostet 100 Mrd. Euro

ast Frankfurt

Der Fachkräftemangel in Deutschland nimmt trotz der schwächelnden Konjunktur weiter zu. Das geht aus dem Fachkräfte­report hervor, den der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) am Donnerstag vorstellte. Demnach gaben mehr als die Hälfte von fast 22000 Unternehmen an, nicht alle offenen Stellen besetzen zu können – so viele wie nie zuvor. Dem DIHK zufolge geht durch den Personalmangel eine Wertschöpfung von fast 100 Mrd. Euro verloren – und die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe bei der Umsetzung wichtiger Transformationsaufgaben ist ge­fährdet.

Obwohl viele Betriebe in einem schwierigen Umfeld mit Lieferschwierigkeiten, nachlassender Auslandsnachfrage und Rezessionssorgen stecken, haben sich die Schwierigkeiten, vakante Stellen nachzubesetzen, seit 2021 noch einmal verschärft. So gaben für das vergangene Jahr 53% der Befragten an, offene Stellen längerfristig nicht besetzen zu können. 2021 waren es noch nur 51% – in einem nach der Coronavirus-Pandemie etwas entspannteren wirtschaftlichen Umfeld. „Wir gehen davon aus, dass in Deutschland rund zwei Millionen Arbeitsplätze vakant bleiben“, berichtete Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. „Das entspricht einem entgangenen Wertschöpfungspotenzial von fast 100 Mrd. Euro.“

„Gefährliche Mischung“

Zwar sei der Arbeitsmarkt nach wie vor stabil – das zeigte auch die jüngst veröffentlichte Arbeitsmarktstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA). Doch Dercks warnte: „Die derzeit noch stabile Arbeitsmarktentwicklung und die vielen offenen Stellen dürfen nicht zu dem Fehlschluss verleiten, alles laufe relativ rund und den meisten Unternehmen gehe es gut.“

Unter der Oberfläche braue sich „seit geraumer Zeit eine gefährliche Mischung“ zusammen, so der DIHK-Experte. So erhöhe der Fachkräftemangel durch das verloren gegangene Wertschöpfungspotenzial etwa die Finanzierung der öffentlichen Haushalte. In Kombination mit den hohen Energiepreisen und der großen Aufgabe der Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft könnten die Personalengpässe im schlimmsten Fall zu einer Verlagerung der Produktion und auch von Dienstleistungen ins Ausland führen.

Besonders betroffen von dem Mangel sind Industrie und Bauwirtschaft, wo jeweils 58% der Unternehmen angaben, Schwierigkeiten zu haben. Als besonders kritisch betrachtet der DIHK die Stellenbesetzungsprobleme bei den für die deutsche Wettbewerbsfähigkeit bedeutsamen Investitionsgüterproduzenten (65%) sowie bei den Herstellern von Spitzen- und Hochtechnologie (jeweils 63%).

Bürokratie abbauen

Mehr als jedes zweite Unternehmen gab an, der Abbau von Bürokratie würde bei der Fachkräftesicherung helfen. So hinderten Berichts-, Dokumentations- und Meldepflichten das Personal daran, sich um die betrieblichen Aufgaben zu kümmern. Zudem sollte die Politik nach Ansicht der Betriebe die berufliche Bildung stärken. In diesem Bereich geben Unternehmen am häufigsten an, ohne Erfolg nach geeignetem Personal zu suchen (48%). Von der erleichterten Einstellung ausländischer Arbeitskräfte erhofft sich immerhin mehr als jedes dritte Unternehmen eine Verbesserung der Situation. Auch eine verbesserte Betreuungssituation für Kinder soll helfen, das Potenzial des weiblichen Arbeitskräfteangebots zu heben.

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