HERZOGENAURACH/LUCKENWALDE (dpa-AFX) – Der fränkische Autozulieferer Schaeffler schließt sein Werk im brandenburgischen Luckenwalde. In 15-monatigen Verhandlungen mit einem potenziellen Investor und den Belegschaftsvertretern sei kein gangbarer Weg für eine Fortführung des Standortes gefunden worden, sagte Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld am Freitag. Der Standort Luckenwalde fertige bisher ausschließlich Teile für Verbrenner-Fahrzeuge in der Automobilindustrie. Schaeffler richtet seine Autosparte mehr und mehr auf Elektroantriebe aus.

Für den Standort Luckenwalde müssten nun die Gespräche über einen Interessenausgleich beginnen. „Wir werden das fair machen“, sagte Rosenfeld der Deutschen Presse-Agentur. „Wir werden so vielen Beschäftigten wie möglich einen Arbeitsplatz an anderen Lokationen innerhalb des Konzerns anbieten“, erklärte er.

Der Betriebsrat in Luckenwalde reagierte mit Unverständnis auf die Schließungsentscheidung. Das Werk sei profitabel. „Noch immer fragen wir uns, warum man sich nach drei Jahrzehnten von einem profitablen, kostengünstigen und innovativen Betrieb trennt“, sagte Betriebsratsvorsitzender Frank Hildebrandt.

„Der Schaeffler-Vorstand sieht die Produkte in Luckenwalde für den Verbrennungsmotor langfristig als Auslaufmodell“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates, Ulrich Schoepplein. Damit ziehe sich Schaeffler nach Jahren sicherer Gewinne weiter aus den neuen Bundesländern zurück: 2019 sei das Werk Kaltennordheim (Thüringen) verkauft und inzwischen geschlossen worden, jetzt werde auch Luckenwalde geschlossen. „Wir beobachten mit Sorge, dass neue Produkte in der Transformation überwiegend in Osteuropa angesiedelt werden“, sagte er.

Für Schaeffler ist die Entscheidung zur Schließung des Standortes Luckenwalde der Abschluss eines Konsolidierungsprogrammes, das an zwölf Standorten in Deutschland die Schließung, den Verkauf oder die vollständige oder teilweise Verlagerung von Produktion umfasste. In der Summe sollten 4400 Stellen abgebaut werden.

Gleichzeitig sei aber an anderen Stellen Kapazität aufgebaut worden, sagte Rosenfeld – etwa bei der Fertigung von Komponenten für Elektroautos in Bühl (Baden-Württemberg) oder beim Aufbau eines Technologiezentrums am Hauptsitz in Herzogenaurach./dm/DP/ngu

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