FRANKFURT (dpa-AFX) – Zinsportale haben das Vermitteln von Spareinlagen an die in Turbulenzen geratene Greensill Bank verteidigt. Man arbeite nur mit lizenzierten Instituten zusammen, die der jeweiligen Bankenaufsicht und teilweise weiteren Kontrollgremien unterlägen, hieß es bei der Berliner Finanzfirma Raisin, die hinter dem Portal „Weltsparen“ steht. „Wir können und dürfen als Plattform nicht mehr leisten, als es die Aufsicht, die Rating-Gesellschaften und die Prüfer leisten“, sagte eine Sprecherin. „Wir verlassen uns auf Prüforgane, die im Falle der Greensill Bank bis Anfang der Woche keinerlei Sanktionen ergriffen hatten.“ Über „Weltsparen“ seien „mehrere hundert Millionen Euro“ an die Greensill Bank geflossen. Derzeit vermittle Raisin keine neuen Produkte weiter.

„Einlagen sind eine äußert sichere Anlageform“, betonte die Hamburger Firma Deposit Solutions, die die Portale „Zinspilot“ und „Savedo“ betreibt. Deposit Solutions kooperiere nur mit Banken, die eine Erlaubnis zum Einsammeln von Privatkundeneinlagen haben und deren Kundeneinlagen durch die gesetzliche Einlagensicherung geschützt seien. Zudem prüfe man genau Partnerbanken, deren Inhaber und ob es Rechtsstreitigkeiten, regulatorische Ermittlungen, Verstöße gegen Sanktionen oder Interessenkonflikte gebe. Die Zusammenarbeit mit Greensill habe man inzwischen beendet, hieß es.

Am Mittwoch hatte die Finanzaufsicht Bafin die Bremer Greensill Bank AG wegen drohender Überschuldung dichtgemacht. Das zum britisch-australischen Finanzkonglomerat Greensill gehörende Institut wurde mit sofortiger Wirkung für den Kundenverkehr geschlossen. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Die Greensill Bank bot in Zeiten von Null- und Negativzinsen Tages- und Festgeldanlagen mit ungewöhnlich hohen Sparzinsen an, beworben im Internet auch auf Portalen wie „Weltsparen“ oder „Zinspilot“. Auf den Plattformen können Sparer die Konditionen vieler Banken etwa für Tages- oder Festgelder vergleichen und Gelder dort anlegen, wo etwas höhere Zinsen locken, oft bei Banken in Ost- und Südeuropa.

Der Bankenverband BdB und Verbraucherschützer haben Privatanleger im Fall Greensill beruhigt: Spargelder bis zu 100 000 Euro je Kunde sind über die gesetzliche Einlagensicherung der EU geschützt. Noch umfassender ist der Rettungstopf der privaten Banken, der laut BdB bei Greensill bis zu knapp 75 Millionen Euro pro Kunde abdeckt./als/DP/stw

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