BERLIN (dpa-AFX) – Nach dem Börsendebüt des online Möbelhändlers im Sommer vor gut zwei Jahren ging es leicht nach oben für Home24 – doch nach gut einem Monat war Schluss, der Kurs rutschte ab. Aktuell hat sich die Lage aber entspannt, denn die Berliner profitieren klar von der Corona-Krise. Die gute Ausgangslage könnte dem Unternehmen auch die Türen zum SDax öffnen. Was bei Home24 los ist, was Analysten sagen und was die Aktie macht.

LAGE BEI HOME24:

Ausgehbeschränkungen, die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus und die auch daraus resultierende, weiter wachsende Lust zum Online-Shopping sorgten bei Home24 für erfreuliche Nachrichten. Zwar spürte der Online-Möbelhändler auch unmittelbar nach dem Beginn der Corona-Krise einen Rückgang der Nachfrage. In den vergangenen Quartalen hingegen konnte er deutlich zulegen: Spürbar mehr Bestellungen aus Europa und Lateinamerika motivierten den Vorstand zu einer erneuten Prognoseanhebung.

Bereits zu Beginn des Jahres konnten die Berliner positive Neuigkeiten verkünden: Das Abschlussquartal 2019 sei das erste profitable gewesen, hieß es im Februar. Zuvor hatten hohe Investitionen in neue Lagerstandorte, Software und erhöhte Marketingausgaben auf das Ergebnis gedrückt. Die Werbung hatte Home24 in der Corona-Pandemie deutlich nach unten gefahren.

Die nun gute Ertragslage spielt Home24 in die Hände: Die Berliner werden als heißer SDax-Kandidat gehandelt. Doch Home24 ist nicht der einzige Online-Möbelhändler, der in die engere Auswahl gerückt ist: Konkurrenz bekommt er dabei von Westwing aus München. Darüber hinaus gibt es eine Reihe anderer potenzieller Kandidaten wie etwa den Online-Broker Flatex oder den Rüstungselektronikhersteller Hensoldt .

Ob einer der beiden Möbelanbieter wirklich den Aufstieg in den Nebenwerteindex schafft, klärt sich am Abend des 3. Dezember. An diesem Donnerstag will die Deutsche Börse das Ergebnis ihrer Indizes-Überprüfung bekannt geben. Etwaige Wechsel sollen dann zweieinhalb Wochen später am 21. Dezember folgen.

Home24 selbst will wachsen und sieht noch Luft nach oben. „Der Markt ist riesig, es gibt aber noch keinen klaren Gewinner wie etwa in anderen Online-Branchen Amazon oder Zalando „, sagte Chef Marc Appelhoff im Februar der Deutschen Presse-Agentur.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Mit 20,47 Euro ist eine Home24-Aktie derzeit so viel wert wie zuletzt im Oktober 2018. Seit dem Zeitpunkt war der Kurs fast rund zehn Monate immer weiter gefallen. Erst im September 2019 rappelten sich die Papiere wieder kurzzeitig, bevor der Kurs wieder nachgab. Seit dem Tief im Frühjahr dieses Jahres bei 2,55 Euro während des Corona-Crashs hat die Aktie aber wieder an Stärke gewonnen. Auch aufgrund der online-Kauflaune in der Pandemie stieg der Kurs konstant.

Langfristige Anleger mag der Verlauf bislang aber wohl weniger gefallen: Denn aktuell liegt der Kurs rund ein Drittel unter seinem Rekordhoch von 31,80 Euro rund einen Monat nach dem Börsendebüt Mitte Juni 2018. Aktuell kommt das Unternehmen auf eine Marktkapitalisierung von rund 540 Millionen Euro. Beim Konkurrenten um den Einzug in den SDax Westwing sieht es im Vergleich besser aus: Die Münchener kommen auf gut 650 Millionen.

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Bei Bloomberg sind zwei Häuser erfasst, die sich mit der Home24-Aktie befassen. Das Bankhaus Lampe und Berenberg raten Anlegern zum Kauf. Der aktuelle Kurs liegt nicht weit entfernt von den Kurszielen der Experten von 23 und 21 Euro (Berenberg).

Berenberg-Analyst Graham Renwick betonte in einer Studie, dass Home24 die vergangenen zwölf Monate über profitabel gewesen sei und einen positiven Barmittelzufluss habe. Dies habe die Glaubwürdigkeit wieder aufgebaut, dass das Unternehmen auch nachhaltig und gewinnbringend wachsen kann. Der aktuelle Wert von Home24 sei nach wie vor günstig. Die Aktie biete ein „signifikantes Potenzial nach oben“.

Das Bankhaus Lampe bezeichnete Home24 wegen der wachsenden Profitabilität sogar als „Top Pick“. Analyst Christoph Bast erhoffte sich zudem weiter positive Effekte durch die erneuerten Corona-Beschränkungen sowie die Empfehlungen, zu Hause zu bleiben. Beide Faktoren könnten sich günstig auf das vierte Quartal auswirken./ngu/men/jha/

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