BERLIN (dpa-AFX) – Die Kommunen in Deutschland begreifen die Digitalisierung überwiegend als Chance. Mehr als zwei Drittel stellen sich selbst in diesem Bereich aber kein gutes Zeugnis aus. Nach einer am Mittwoch veröffentlichten repräsentativen Umfrage im Auftrag des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und des Digitalverbands Bitkom betrachten die Befragten in 61 Prozent der 623 erfassten Städte und Gemeinden ihre Kommune als Nachzügler. 7 Prozent gaben sogar an, ihre Kommune habe den Anschluss verpasst. 29 Prozent sehen sich hingegen als Vorreiter.

Am häufigsten wurden fehlende Finanzmittel als größtes Hemmnis für die Digitalisierung genannt, mehr als die Hälfte der Befragten sprach von fehlendem Know-how. Nach Schätzung der Teilnehmer verfügten in mehr als der Hälfte der Kommunen nur wenige oder gar keine Mitarbeiter über gute Kenntnisse im Umgang mit digitalen Werkzeugen wie Videokonferenzen oder Systemen zum Dokumentenmanagement. Neben finanzieller Hilfe erhoffen sich die Kommunen von der Politik vor allem einheitliche Vorgaben und Standards.

Die Corona-Pandemie treibt nach Angaben fast aller Befragten die Digitalisierung in Städten und Gemeinden voran. „Wir erleben einen Digitalisierungsschub“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, bei der Vorstellung der Ergebnisse. Das gilt vor allem bei der Nutzung von Hard- und Software, weniger bei der Umstellung interner Prozesse wie etwa elektronische Akten. Nur 14 Prozent bauten Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen aus, weitere 21 Prozent sind dabei oder haben dies vor.

Eigenen Beschäftigten bot nur jede zweite Kommune die Möglichkeit zur Arbeit im Home Office an – meist wegen fehlender technischer Ausstattung oder mangelnder Finanzmittel. 40 Prozent der Befragten lehnen Home Office für die Zukunft gänzlich ab oder wollen die Möglichkeiten dafür einschränken.

Eigene Digitalstrategien hätten eher größere Städte, sagte Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Für den strategischen Umgang damit gelte: „Je kleiner die Gemeinde wird, umso nachrangiger auch das Thema Digitalisierung.“/hrz/DP/eas

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