STUTTGART (dpa-AFX) – Nach 70 Verhandlungstagen im Strafprozess um die Insolvenz des Windpark-Entwicklers Windreich will das Landgericht Stuttgart am Mittwoch (9.00 Uhr) ein Urteil verkünden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Unternehmensgründer Willi Balz unter anderem Insolvenzverschleppung, Bilanzmanipulation, Insiderhandel und besonders schweren Betrug vor und hatte für ihn fünf Jahre und drei Monate Haft gefordert. Die Verteidigung hatte in ihrem Plädoyer hingegen einen Freispruch für den 60-jährigen Balz beantragt.

Windreich mit Sitz in Wolfschlugen im Kreis Esslingen hatte sich auf Windkraftanlagen an Land und auf hoher See spezialisiert und im September 2013 Insolvenz angemeldet. Die Anklage ist allerdings der Ansicht, dass die Unternehmensgruppe schon sehr viel früher – seit Ende März 2012 – zahlungsunfähig gewesen sei. Balz habe das zwar gewusst, aber trotzdem seine Geschäfte fortgeführt und damit enormen Schaden angerichtet. Neben Banken und Investoren habe Balz auch eine Vielzahl kleinerer Gläubiger geschädigt. Mit geschönten Bilanzen habe er 125 Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt.

Ursprünglich waren acht Personen in dem Prozess angeklagt. Gegen sieben von ihnen wurde das im August 2019 begonnene Verfahren im Laufe der Zeit eingestellt. Übrig blieb nur Balz, der einst als Pionier für Windkraftanlagen zur Stromerzeugung auf dem Meer galt./mbr/DP/zb

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