ESSEN (dpa-AFX) – Der Chemiekalienhändler Brenntag traut sich wieder ein Gewinnziel für 2020 zu. Für das laufende Jahr peilt Brenntag einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (operatives Ebitda) von 1,0 bis 1,04 Milliarden Euro an, wie der im Index der mittelgroßen Werte MDax gelistete Konzern am Dienstagabend in Essen mitteilte. 2019 standen hier rund 1,002 Milliarden Euro.

Anfang April hatte Brenntag wegen der Corona-Krise seine ursprüngliche Jahresprognose ausgesetzt. Noch Anfang März, als sich das neuartige Coronavirus immer stärker ausbreitete, ging der neue Unternehmenschef Christian Kohlpaintner auf Basis stabiler Wechselkurse von einem steigenden operativen Ebitda aus.

Am Aktienmarkt kam das neue Gewinnziel gut an. Die Aktie legte im Vormittagshandel um mehr als drei Prozent zu. Das Corona-Tief Mitte März, als der Anteilsschein unter 29 Euro rutschte, ist längst Geschichte. Seit Anfang des Jahres konnte die Aktie mehr als 17 Prozent zulegen.

Das währungsbereinigte operative Ebitda für Juli und August liege jeweils knapp über dem Vorjahreswert, teilte Brenntag weiter mit. Im ersten Halbjahr summierte sich das bereinigte Ebitda auf 539,2 Millionen Euro. Das waren bereinigt um Währungseffekte 6,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Essener wollen planmäßig am 4. November 2020 die Zahlen zum dritten Quartal und neun Monaten veröffentlichten.

Bei dem Chemikalienhändler hat sich laut Analyst Laurence Alexander vom Analysehaus Jefferies die Auftragslage so weit stabilisiert, dass sich das Unternehmen wieder die Veröffentlichung eines Jahreszieles für den operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zutraut. Dies reflektiere Aussagen der Wettbewerber, wonach die Frequenz der Auftragsstornierungen nach einem turbulenten Sommer abgenommen habe.

Für Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan fielen sowohl der Ausblick als auch die Aussagen des Chemikalienhändlers zur Geschäftsentwicklung im dritten Quartal besser als erwartet aus. Die Sorgen um eine deutliche Wachstumsverlangsamung hätten sich nicht bewahrheitet. Nach Ansicht von Analyst Markus Mayer von der Baader Bank haben sich die bereits gestiegenen Gewinnannahmen am Markt wie von ihm erwartet als immer noch zu vorsichtig erwiesen. Sie dürften nun weiter nach oben geschraubt werden.

Allerdings gelte die neue Prognose nur, wenn es zu keinen weiteren deutlichen Maßnahmen der Staaten zur Eindämmung der Pandemie und damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft komme, verdeutlichte Brenntag. Während das Unternehmen Sonder- und Währungseffekte bei dem Jahresziel ausklammert, bezieht es die Ergebnisbeiträge aus Übernahmen mit ein./mne/eas/stk

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