FRANKFURT (dpa-AFX) – Nach dem Vortagessprung des Dax auf ein Hoch seit dem Corona-Crash lassen es die Anleger am Donnerstag ruhiger angehen. Der Leitindex fiel gegen Ende der ersten Handelsstunde um 0,66 Prozent auf 12 845,94 Punkte. Zur Wochenmitte war er angetrieben worden von der Hoffnung auf einen Coronavirus-Impfstoff nach oben geschnellt und dabei nur knapp an der Marke von 13 000 Punkten gescheitert.

Vor dem am Donnerstag erwarteten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) belasten nun erst einmal die Vorgaben aus Übersee. Der Dow-Future fiel seit dem Handelsschluss in New York etwas zurück und an den wichtigsten Börsen Asiens ging es abwärts. Dabei wurden gemischte Wirtschaftsdaten aus China eher als Belastung angesehen.

Zwar erholte sich Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal stärker als gedacht vom Corona-Einbruch, enttäuschende Einzelhandelszahlen schürten allerdings neue Sorgen um die Konsumbereitschaft der Chinesen. Laut Volkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank kommt daher keine Freude auf. „Die Corona-Krise kann also selbst das normalerweise wachstumsstarke China nicht so einfach abschütteln“, kommentierte der Experte.

Laut Stephen Innes vom Broker AxiCorp ist es nie falsch, auf erhöhtem Niveau einige Gewinne einzustreichen. Charttechnisch blieb der Dax im Bereich des ehemaligen Widerstands bei knapp 12 850 Punkten, das er am Vortag mit dem Hoch seit Februar überwunden hatte. „Der positive chart- und markttechnische Grundtenor bleibt auch vor der heutigen EZB-Sitzung kurz- bis mittelfristig erhalten“, sagte der Chartexperte Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel.

Mit dem Dax ging es am Donnerstag auch für der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 um etwa 0,7 Prozent bergab. Der Index der mittelgroßen Werte MDax verlor derweil nur knapp 0,09 Prozent auf 27 054,83 Zähler.

Die jüngste Rally gilt auch als getrieben von bishlang recht robusten Geschäftszahlen zahlreichen Unternehmen. Jüngstes Beispiel ist der Baumaschinenhersteller Wacker Neuson, der im zweiten Quartal einen überraschend geringen Umsatz- und Ergebnisrückgang verkraften musste. Die Papiere legten um 2,3 Prozent zu.

Bei den ohnehin als Krisengewinner geltenden Unternehmen wie dem Laborausrüster Sartorius und dem Online-Modehändler Zalando läuft es derweil weiter rund. Beide hoben ihre Jahresprognosen an und beide Aktien legten zu. Zalando um 2,6 Prozent und Sartorius sogar um 8,4 Prozent. Bei ihnen reichte es zwischenzeitlich sogar für ein Rekordhoch.

Einen MDax -Verlierer gab es mit den 1,6 Prozent tieferen Aktien von CTS Eventim. Hier sorgten sich Anleger um die Tatsache, dass eine Tochter des Konzernveranstalters und Ticketverkäufers Millioneneinlagen bei der Commerzialbank Mattersburg im Burgenland hat. Dieser wurde nun aber durch die österreichische Finanzmarktaufsicht FMA die Fortführung des Geschäftsbetriebes untersagt. Ob und wann die CTS-Tochter an ihr Geld kommt, ist aktuell offen.

Im SDax fielen die Nordex-Aktien um rund 3 Prozent. Der Windkraftanlagenhersteller bekam die Corona-Pandemie mit einem einbrechenden Auftragseingang zu spüren.

Später rückt dann noch die Europäische Zentralbank in den Fokus. Allerdings erwarten sich Bankvolkswirte von der Zinssitzung nicht viel Neues. Die Währungshüter dürften ihre Corona-Krisenpolitik aus Nullzins, Wertpapierkäufen und Langfristkrediten im Wesentlichen bestätigen, so die Erwartung. Neue Impulse könnten im Tagesverlauf derweil von frischen Unternehmens- und Konjunkturzahlen aus den USA kommen./tih/mis

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