Beschäftigungsboom gibt globaler Konjunktur Halt

US-Arbeitsmarkt toppt einmal mehr Erwartungen – Stütze der Weltwirtschaft


rec Frankfurt – Ein unverminderter Beschäftigungsboom stabilisiert die von mehreren Seiten unter Druck stehende Konjunktur diesseits und jenseits des Atlantiks. In den USA ist die Arbeitslosenquote im Juli laut offiziellen Angaben auf 3,5 % gesunken. Gemäß Definition der US-Notenbank Fed ist damit Vollbeschäftigung erreicht. Auch in Sachen Stellenaufbau toppte der US-Arbeitsmarktbericht einmal mehr die Erwartungen.

Die hervorragende Beschäftigungslage erweist sich als letzte verbliebene Stütze für die globale Konjunktur. Das gilt auch für Deutschland und die Eurozone, wo Rekordbeschäftigung herrscht. Anleger und Analysten bringt das in einen Zwiespalt, wie die Reaktionen zu den US-Daten untermauern: Einerseits nährt die starke Verfassung des Arbeitsmarkts Hoffnungen, dass die USA nicht wie vielfach befürchtet in eine Rezession abdriften. Andererseits steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed weiter kräftig die Zinsen erhöht und das Wachstum abwürgt.

Ein Abschwung der größten Volkswirtschaft hätte gravierende Folgen für die Weltwirtschaft. Im Schatten des Ukraine-Kriegs hat sich ein nie da gewesenes, brisantes Gemisch an Risiken zusammengebraut. Vielerorts erhöhen die Zentralbanken im Kampf gegen die viel zu hohe Inflation kräftig die Zinsen, auch die Europäische Zentralbank (EZB). Neben der Inflation ist die Energiekrise im Fokus. Ökonomen wie Robin Brooks, Chefvolkswirt des Bankenverbands IIF, mahnen immer eindringlicher: „Eine Rezession ist im Anmarsch.“

Zwar verbreiten auch die vom Tourismus angetriebenen Dienstleister Hoffnung, vor allem in Südeuropa. Doch es gibt Anzeichen, dass auch sie schwächeln. Materialmangel belastet die Industrie. Besserung ist kaum in Sicht: Laut jüngstem Update des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) stauen sich derzeit 24 Frachter in der Deutschen Bucht und warten auf Abfertigung, teilweise seit Wochen. Das Frachtvolumen im Roten Meer, der Haupthandelsroute zwischen Europa und Asien, liegt laut IfW ein Fünftel niedriger, als unter normalen Umständen zu erwarten wäre.

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Börsen-Zeitung, 06.08.2022, Autor Stefan Reccius, Nummer 150, Seite 1, 281 Wörter