Flossbach sieht Chancen bei Bonds

Assetmanager nimmt Unternehmensanleihen ins Visier – Sorgen um Italien


wbr Frankfurt – Der Kölner Assetmanager Bert Flossbach nimmt Unternehmensanleihen ins Visier. Seit 15 Monaten hatte er keine Anleihen mehr im Portfolio, doch in den vergangenen Tagen habe sich das Chance-Risiko-Profil einzelner Bonds signifikant verbessert. „Bei Corporates mit einer Rendite von 6 % kann man schon wieder genauer hinschauen, sagt Flossbach im Interview. Angesichts der höheren Inflation mache eine Buy-and-hold-Strategie bei Anleihen aber keinen Sinn.

Die steigenden Marktzinsen sieht der Portfoliomanager aber auch mit Sorge. Bei italienischen Staatsanleihen bestehe die Gefahr, dass die Renditen auf 4 % und mehr klettern. „Dann ist Italien zwar nicht insolvent, aber es hat ein großes Solvenz-Thema.“ In dem Fall müsste Italien 25 % der Staatseinnahmen für Zinsen aufwenden – „das wäre dauerhaft kaum zu tragen“. Generell glaubt Flossbach, dass die Möglichkeiten der Notenbanken, die Zinsen anzuheben, begrenzt sind.

Bei Aktien hätten Titel im Bereich der defensiven Konsumgüter wie beispielsweise Nestlé sowie Pharmawerte das Portfolio stabilisiert. Bei den Technologiewerten in den USA erwartet er insbesondere in der zweiten Reihe weitere Verluste. „Nach der Faustregel müssten es mindestens 75 bis 80 % sein, um eine Bodenbildung zu sehen.“ Beeindruckt ist der Vermögensverwalter von Elon Musk. „Tesla hat bewiesen, dass ein unvorstellbares Wachstum möglich ist. Tesla ist nicht Teil der Blase.“ Der Konzern setze neue Maßstäbe, die Arbeitsweisen seien beeindruckend.

- Interview Seite 13

Börsen-Zeitung, 14.05.2022, Autor Wolf Brandes, Nummer 93, Seite 1, 215 Wörter