Nvidia-Deal steht auf der Kippe

Übernahme von ARM stößt auf Widerstand zunehmend kritischer US-Behörden


hei/hip London – Die spektakuläre Übernahme des weltweit wichtigsten unabhängigen Chipdesigners ARM Holdings durch den US-Grafikprozessorhersteller Nvidia steht vor dem Aus. Nachdem sowohl die britischen Behörden als auch die EU-Wettbewerbshüter bereits schwere Bedenken gegen den mittlerweile 50 Mrd. Dollar schweren Deal geäußert hatten, stellt sich nun auch die mächtige Federal Trade Commission (FTC) in den USA quer. Sie fürchtet, dass sich der Zusammenschluss negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit bei der Entwicklung der Technologien von morgen auswirken könnte. Dabei hat sie Zukunftsthemen wie Fahrerassistenzsysteme und Prozessoren für Cloud Computing im Blick. Die FTC sieht unter Präsident Joe Biden die wachsende Zahl an Megafusionen zunehmend mit Argwohn.

Die Konsolidierung der Halbleiterbranche ist derweil in vollem Gange. Im Oktober kündigte Advanced Micro Devices (AMD) den Erwerb von Xilinx für 35 Mrd. Dollar an, um Intel in den Rechenzentren Konkurrenz zu machen. Am Markt fragt man sich derweil, wann Nvidia-Chef Jensen Huang zugeben wird, dass die Fusion nicht wie geplant stattfinden wird. „Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie durchgeht“, sagte der Gartner-Halbleiteranalyst Alan Priestley dem Sender CNBC. „Nun werden sie vielleicht versuchen, die Firma an die Börse zu bringen.“ Der Citi-Analyst Atif Malik, der bislang eine Wahrscheinlichkeit von 30 % dafür angesetzt hatte, dass der Deal zustande kommt, rechnet inzwischen nur noch mit einem Wert von 5 %. Vorerst will Nvidia allerdings weiter versuchen, die Regulierer zu überzeugen. In Großbritannien hatte die für Digitales zuständige Kulturministerin Nadine Dorries den Deal zur Chefsache erklärt.

Für den japanischen Finanzinvestor Softbank, der durch den Verkauf von ARM einen höheren Preis erzielen könnte als durch ein Initial Public Offering der britischen Gesellschaft, war die Klage der FTC gegen die Fusion mit Nvidia nicht die einzige schlechte Nachricht aus seinem Portfolio. Der Fahrdienst Didi Global aus dem Reich der Mitte, an dem Softbanks Vision Fund 21,5 % hält, kündigte an, sich auf Druck der chinesischen Aufsicht von der Wall Street zurückzuziehen und stattdessen eine Notierung in Hongkong anzustreben. Und die Aktie des südostasiatischen Lieferdiensts Grab verlor bei ihrem Debüt an der Nasdaq mehr als ein Fünftel. Dem Vision Fund gehören 18,6 % des Unternehmens.

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Börsen-Zeitung, 04.12.2021, Autor hei/hip London, Nummer 235, Seite 1, 346 Wörter