LBBW baut 700 Stellen ab und spart 100 Mill. Euro

Bank passt bis 2024 Strategie an – Dreistelliger Millionengewinn trotz Corona

Stuttgart, Nachtaufnahme
Quelle: LBBW

bn/fir Frankfurt – Die LBBW hat unter dem Eindruck der Pandemie ihre Strategie angepasst und plant für die kommenden Jahre deutliche Einsparungen. Bis Ende 2024 wird die größte deutsche Landesbank gegenüber 2019 ihre Kosten um 100 Mill. Euro oder knapp 6 % reduzieren sowie 700 oder rund 7 % ihrer Stellen abbauen. Dies kündigt Vorstandsvorsitzender Rainer Neske, dessen Vertrag im Herbst bis 2026 verlängert wurde, im Interview der Börsen-Zeitung an.

Wie sich die Einsparungen im Konzern verteilen werden, wird derzeit ausgearbeitet. Kürzungen dürften unter anderem dem Privatkundengeschäft bevorstehen, das auf eine Aufwandsquote von 94 % kommt, ebenso aber Bereichen, die stark automatisiert und digitalisiert werden. Im Lichte von Corona überprüfe die Bank nochmals ihre Filialstrategie. Hauptziel sei es gleichwohl nicht, die Kosten zu senken, sondern weiter erfolgreich Kundengeschäft zu machen, sagt Neske und nennt das Asset & Wealth Management sowie das Corporate Banking als Wachstumsfelder.

Angesichts von Covid-19 hat das Institut im abgelaufenen Jahr „eine erhebliche pauschale Wertberichtigung“ und insgesamt Risikovorsorge von 500 Mill. Euro gebildet; das ist gut das Dreifache des Vorjahreswerts. Gleichwohl werde die LBBW für 2020 ein „deutlich dreistelliges Millionenergebnis im positiven Bereich“ zeigen, erklärt Neske. Für 2019 hatte die Landesbank vor Steuern 612 Mill. Euro und netto 444 Mill. Euro Gewinn ausgewiesen (siehe Grafik). „Keines unserer Stresstest-Szenarien zeigt an, dass wir in deutliche Schwierigkeiten kommen. Wir erwarten aber schon, dass die Risikokosten über die nächsten Jahre steigen werden“, erläutert er die Folgen von Corona.

Neben der coronabedingten Pauschalwertberichtigung hat 2020 auch das Engagement der Bank bei Wirecard die Risikovorsorge getrieben, wie Neske implizit durchblicken lässt. Neben anderen Spitzenbankern ist der LBBW-Chef am heutigen Donnerstag vom Wirecard-Untersuchungsausschuss vorgeladen.

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Börsen-Zeitung, 14.01.2021, Autor Bernd Neubacher/Tobias Fischer, Frankfurt, Nummer 8, Seite 1, 272 Wörter