Deutsche Industrie

Baukrise schlägt auf Unternehmensbilanzen durch

Die deutsche Industrie hat zwar im März mehr exportiert, aber weniger Neuaufträge eingesammelt. So springt die Konjunktur nicht an und auch die Unternehmensbilanzen erholen sich nicht.

Baukrise schlägt auf Unternehmensbilanzen durch

Flaute in Bau und Industrie schlägt auf Bilanzen durch

Salzgitter kassiert Jahresprognose – Heidelberg Materials spürt Nachfrageschwäche

ba/lis/ste Frankfurt/Hamburg

Die Krise im Bausektor und die anhaltende Schwäche der Industrie zeigen deutliche Spuren in den Unternehmensbilanzen des ersten Quartals – und die weiteren Aussichten sind insgesamt gesehen eher trübe. Denn der Auftragseingang, der zudem seit längerem von Großaufträgen verzerrt ist, verharrt im Abwärtstrend. Im März ist das Ordervolumen erneut gesunken – um 0,4% im Monatsvergleich. Für einen nachhaltigen Aufschwung der industrielastigen hiesigen Wirtschaft wären aber vor allem mehr Neubestellungen nötig. Stimmungsindikatoren wie etwa das Ifo-Geschäftsklima oder der Einkaufsmanagerindex (PMI) zeigen allerdings, dass damit vorerst noch nicht gerechnet wird.

Wohnungsbau weiter rückläufig

Der PMI für die Baubranche ist vielmehr um 0,8 auf 37,5 Punkte gesunken und zeigt damit, dass „sich die ohnehin kräftige Kontraktionsrate nochmals beschleunigt hat“, wie S&P mitteilte. Allen voran ist der Wohnungsbau nach wie vor stark rückläufig, aber auch der Bau von Gewerbeimmobilien zeige keine Anzeichen einer Erholung, und die Krise im Tiefbau scheine sich zu verschärfen. Gerade die Bauinvestitionen aber haben neben den stärkeren Exporten zum Wirtschaftswachstum von 0,2% im ersten Quartal geführt. Eine Abwärtsrevision erscheint mithin wahrscheinlich. Zumindest die Exporte haben mit dem überraschend starken Plus von 0,9% im März ein positives Konjunktursignal geliefert. Die Importe legten um 0,3% im Monatsvergleich zu.

Salzgitter kassiert Jahresprognose

Die schwache Konjunktur macht den Unternehmen jedoch zunehmend zu schaffen – etwa dem zweitgrößten Stahlkonzern Salzgitter, der am Dienstag seine Geschäftsjahresprognose für 2024 kassierte. Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf zeichne sich ab, dass die deutsche Wirtschaft nicht an den Aufschwung in anderen Industriestaaten anknüpfen könne, erklärte das Unternehmen. Umsatz und Vorsteuergewinn des Stahlkonzerns schrumpften im ersten Quartal auf 2,7 (i.V. 3) Mrd. Euro bzw. auf 17 (184) Mill. Euro. Erholungssignale fielen zögerlicher und schwächer aus als ursprünglich erwartet, zugleich nehme die Unsicherheit in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung im zweiten Halbjahr zu.

Heidelberg Materials leidet unter schwacher Nachfrage

Auch dem Baustoffkonzern Heidelberg Materials machte die geringere Nachfrage zu schaffen. Die Absatzmengen seien in allen Geschäftsbereichen rückläufig gewesen, teilte der Dax-Konzern mit. Der Umsatz fiel im Jahresvergleich um rund 8% auf knapp 4,5 Mrd. Euro zurück. Der Vorsteuergewinn schmolz von 258 Mill. Euro im Vorjahr auf 232 Mill. Euro ab. Die Jahresziele aber bestätigte der nach der Schweizer Holcim zweitgrößte Zementhersteller.

Beim Baumaschinen-Hersteller Wacker Neuson sanken die Erlöse im ersten Quartal im Jahresvergleich um 11% auf rund 593 Mill. Euro, während das Vorsteuerergebnis um 58% auf knapp 37 Mill. Euro abrutschte. Vorstandschef Karl Tragl hatte damit laut dpa-afx allerdings gerechnet: „Die Zyklizität des Geschäftes ist für uns keine Überraschung.“ Er erwartet eine zunehmende Steigerung von Umsatz und Profitabilität von Quartal zu Quartal und hält an den Jahreszielen fest.

Berichte Seiten 9, 11 und 12
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