Börse will wegen Wirecard Dax-Regeln ändern

Ausschluss bei Insolvenz als Ziel – Erratische Kursbewegungen


ck/jh Frankfurt/München – Das Wirecard-Desaster wird auch Konsequenzen für die Regeln für die Dax-Indexfamilie haben. „Das Vertrauen in den Kapitalmarkt hat offensichtlich in den letzten Tagen gelitten“, so die Deutsche Börse in einer kurzen Erklärung. „Als Marktplatzbetreiber ist es auch unsere Aufgabe, das Vertrauen in den Kapitalmarkt zu stärken. Deshalb haben wir uns entschlossen, die Regelwerke unter Einbindung der Regulatoren und die Regeln für die Zugehörigkeit zur Dax-Familie einer vertieften Prüfung zu unterziehen und zu überarbeiten.“ Die Vorschläge zur Veränderung des Dax-Regelwerks würden im Rahmen des üblichen Konsultationsprozesses mit den Marktteilnehmern besprochen.

Hintergrund ist die Tatsache, dass Wirecard trotz des Bilanzskandals, der Insolvenz und des Kollapses der Aktie noch bis September im Dax sowie im TecDax bleibt. Denn nach den Regeln für die Indizes der Dax-Indexfamilie wird die Aktie eines Unternehmens, das ein Insolvenzverfahren beantragt, zum nächsten turnusmäßigen Indexüberprüfungstermin entfernt. Anders ist dies bei den Regeln für die ebenfalls zur Deutschen Börse gehörenden Stoxx-Indizes. Hier erfolgt die sofortige Entfernung, Wirecard ist seit heute nicht mehr im Stoxx Europe 600 enthalten. Ein Ergebnis der Überprüfung der Indexregeln könnte also der sofortige Rauswurf im Falle eines Insolvenzverfahrens sein. Es ist allerdings nicht mit einer schnellen Regeländerung zu rechnen, da ein Konsultationsverfahren mehrere Monate dauert. Die Regeln müssen sehr klar bleiben und zudem auf einer soliden rechtlichen Basis stehen.

Auch am Montag schlug die Wirecard-Aktie Kapriolen. Der Kurs verdreifachte sich zwischenzeitlich und schloss mit einem Gewinn von 154 % auf 3,26 Euro. Ein Grund war vermutlich eine schon am Samstag veröffentlichte Mitteilung des Unternehmens. Wirecard berichtete, die Konzerngesellschaften setzten den Geschäftsbetrieb fort. „Der Vorstand ist der Meinung, dass eine Fortführung im besten Interesse der Gläubiger ist.“ Zudem wies das Unternehmen darauf hin, dass die Wirecard Bank aktuell nicht Teil des Insolvenzverfahrens und der Zahlungsverkehr der Bank nicht betroffen sei.

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Börsen-Zeitung, 30.06.2020, Autor ck/jh Frankfurt/München, Nummer 122, Seite 1, 298 Wörter